Wärmepumpe im Einfamilienhaus nachrüsten: Ablauf und Voraussetzungen
Was Ihr Haus mitbringen sollte, wie der Umstieg vom alten Kessel abläuft und welche Fristen bei der Förderung gelten.
Kann man in jedes Einfamilienhaus eine Wärmepumpe nachrüsten?
In sehr viele. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die vorhandenen Heizkörper oder Flächenheizungen das Haus mit höchstens 55 °C Vorlauftemperatur warm bekommen; dann gilt es laut klimaaktiv als geeignet. Dazu braucht es Platz für Außengerät und Speicher sowie einen passenden Stromanschluss.
Im Bestand ist die Wärmepumpe längst Alltag: Laut Klima- und Energiefonds ging 2022 mehr als die Hälfte der verkauften Geräte in bestehende Gebäude. Ein gut gedämmtes Einfamilienhaus aus den letzten Jahrzehnten bringt meist alles mit. Bei älteren Häusern lohnt ein genauer Blick auf Heizkörper und Dämmzustand, bevor Sie sich festlegen.
Wärmepumpe nachrüsten in sechs Schritten
Vom ersten Gespräch bis zur eingestellten Anlage.
Bestand prüfen
Heizkörper, Vorlauftemperatur, Dämmzustand und Verbrauch der letzten Jahre zusammentragen.
Heizlast berechnen
Der Fachbetrieb ermittelt die nötige Leistung nach ÖNORM, nicht nach Faustwert.
Förderung klären
Bedingungen und Fristen prüfen, registrieren bzw. beantragen, bevor bestellt wird.
Montage
Außengerät, Speicher und Hydraulik einbauen, Elektroanschluss durch befugte Fachkraft.
Altkessel entfernen
Den alten Kessel und, falls vorhanden, den Öltank fachgerecht demontieren und entsorgen lassen.
Einstellen
Heizkurve und hydraulischen Abgleich im ersten Winter überprüfen und nachjustieren.
Worauf Sie beim Nachrüsten achten sollten
Heizkörper und Vorlauftemperatur
Alte Kessel laufen oft heißer, als es nötig wäre. Beobachten Sie in einer kalten Woche, welche Vorlauftemperatur Ihr Kessel fährt und ob alle Räume warm werden. Räume, die zuerst auskühlen, brauchen eventuell einen größeren Heizkörper. Bosch Österreich nennt dafür ca. € 100 bis 500 pro Stück (Herstellerangabe, Stand Oktober 2026).
Platz für Außengerät und Speicher
Wo früher Öltank oder Gastherme standen, ist oft Platz für Speicher und Hydraulik. Für das Außengerät brauchen Sie einen festen Untergrund, freie Luftzufuhr und Abstand zu Schlafzimmern und Nachbarn. Am Nachbargrundstück bleibt der Pegel laut Klima- und Energiefonds üblicherweise unter 35 dB(A).
Stromanschluss
Die Wärmepumpe wird an die Hauselektrik angeschlossen; der Elektroanschluss ist Sache einer befugten Fachkraft. Klären Sie mit dem Fachbetrieb, ob der Hausanschluss ausreicht und ob ein eigener Zähler sinnvoll ist. Ein separater Zähler kostet laut Bosch rund € 90 im Jahr zusätzlich.
Förderung: Fristen beim Nachrüsten
Wer eine Öl-, Gas- oder Kohleheizung im Einfamilienhaus ersetzt, kann in der Neuauflage Kesseltausch 2026 eine Pauschale von € 5.000 erhalten. Anmelden können Sie das Vorhaben ab 2. November bis Ende 2026; Leistungen zählen, wenn sie ab dem 7. Oktober 2026 erbracht wurden (Stand Oktober 2026). Gefördert wird nur, wenn die Wärme über Heizwasser verteilt wird und 55 °C Vorlauf reichen. Die Aktion "Sauber Heizen für Alle" ist für 2026 geschlossen und nicht mit dem Kesseltausch kombinierbar.
Ab 4. Jänner 2027 soll es weitergehen, allerdings mit einer wichtigen Änderung: Beantragt wird vor dem Einbau. Die Richtlinien dazu sind für Dezember 2026 angekündigt. Wer jetzt plant, sollte die Bestellung deshalb mit dem Förderzeitpunkt abstimmen. Was nach Abzug der Förderung bleibt, zeigt die Seite Kosten fürs Einfamilienhaus.
Muss die alte Heizung raus?
Eine Pflicht zum Tausch gibt es für bestehende Gebäude nicht. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, in Kraft seit 29.2.2024, verbietet fossile Heizungen nur in neuen Gebäuden. Wer freiwillig umsteigt, profitiert von der Förderung und macht sich von Öl- und Gaspreisen unabhängiger. Wie viel Strom die Wärmepumpe danach braucht, lesen Sie unter Stromverbrauch mit Wärmepumpe.
Fragen zum Nachrüsten einer Wärmepumpe
Muss ich meine Öl- oder Gasheizung gegen eine Wärmepumpe tauschen?
Nein. Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz enthält keine Tauschpflicht für bestehende Gebäude. Es verbietet fossile Heizungen in neuen Gebäuden. Für den freiwilligen Tausch im Bestand gibt es stattdessen Förderungen.
Wie lange dauert das Nachrüsten einer Wärmepumpe?
Die eigentliche Montage ist meist der kürzere Teil. Mehr Zeit brauchen Planung, Lieferung und gegebenenfalls Behördenverfahren, etwa bei einer Bohrung. Den konkreten Zeitplan nennt Ihnen der Fachbetrieb im Angebot. Rechnen Sie bei Erdwärme mit zusätzlicher Vorlaufzeit für das wasserrechtliche Verfahren.
Kann ich zuerst einbauen und später die Förderung beantragen?
In der Neuauflage 2026 ja: Anerkannt werden Leistungen ab 7.10.2026, registriert wird vom 2.11. bis 31.12.2026. Ab 2027 nicht mehr, dann muss der Antrag vor der Umsetzung gestellt werden.
Vom alten Kessel zur Wärmepumpe
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